Freitag, 11. Dezember 2015

Warum vegan? Und warum kein veganes Dogma.

 Ich glaube, ich werde erwachsen. ;-) Weil ich merke, dass ich keine Dogmen mehr mag. Auch das vegane Dogma mag ich nicht mehr. Das sich Bekriegen und Vorwerfen und Kritisieren und Argumentieren zwischen den Omnivoren und den Veganern...

Aber ich liebe einfach die vegane Idee, den Gedanken dahinter, das Gefühl, das ich habe, wenn ich daran denke, wie es wäre, wenn es keine Tierhaltung gäbe...

Es gibt die ethischen und die gesundheitsbewussten Veganer und diejenigen, die aus beiden Gründen keine Tiere essen.

Was bin ich denn?? Bei mir ist es eine Herz-Entscheidung, obwohl ich mich gar nicht zu 100% vegan ernähre.

Bin ich dann keine Veganerin? Na dann eben nicht, auch ok. Ìch ernähre mich fast pflanzlich, immer wieder gibt es Ausnahmen, auch nicht vegetarische, die hauptsächlich durch die Esssucht bedingt sind.

Und ich glaube, dass das alles überhaupt nicht so schlimm ist. Ich glaube, dass wir alle in irgendeinem Prozess stecken und unseren Weg auch annehmen sollten. Statt sich auf andere zu konzentrieren, sollten wir vermehrt uns selbst reflektieren, sich beobachten, ohne zu urteilen und aus jeder "Niederlage" und aus jedem "Sieg" unsere Schlüsse ziehen.

Warum vegan?


An der veganen Idee hänge ich schon lange. Ich habe mir inzwischen sehr viele Filme, Berichte, Reportagen und auch kurze Filmchen angeschaut, bei denen ich Rotz und Wasser geheult habe. Bei denen ich mich gefragt habe, was der Mensch eigentlich ist. Ist jeder tatsächlich ein spirituelles Wesen in einem tierischen Körper?  Sind die jenigen, die in Schlachthäusern tätig sind und scheinbar ihre ganze Lebensfrust an den Tieren auslassen, sie treten, prügeln, werfen, sind sie in einer solchen emotionalen Armut aufgewachsen, dass Gehirnareale völlig unterentwickelt oder gar abgestorben sind?? Oder sind diese Menschen eine genetisch andere Sorte Mensch? Ich versuche das Urteilen über diese Menschen auszublenden, ich kenne ihr Schicksal nicht. Mich interessiert dabei, wie ich mich verhalte.

Zu Bewusstwerdung gehört für mich auch, dass ich mir Gedanken darüber mache, was ich esse. Und nach all den Monaten, Jahren der Auseinandersetzung kann ich keinen Pudding oder Käse mehr genießen, wenn ich weiß, dass die Milchindustrie, auch bio, unglaubliches Leid verursacht. Leid, dass die Tiere nicht verdient haben und Leid, dass ich nicht möchte, das man mir oder meinen Kindern zufügt.

Ich kann auch kein gutes Stück Fleisch mehr genießen, obwohl ich kein Problem mit dem Tod an sich habe. Die Natur ist einfach brutal und das Töten gehört zum Überleben dazu. Vielleicht würde ich Fleisch aus eigener Tierhaltung essen können, wenn es nichts anderes gäbe, aber solange es was anderes gibt, mag ich den Gedanken einfach nicht mehr, mich täglich oder einmal die Woche vom Fleisch zu ernähren. Es passt nicht mehr, ich müsste mich dazu zwingen. Wobei ich ab und an, vielleicht 1mal im Monat einen Anfall bekomme und auch eine Frikadelle esse. Weiß der Geier warum, vielleicht ist es mein tierischer Körper, der irgendetwas braucht? Oder einfach die Esssucht, die in dem Moment durchschlägt...

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass viele Menschen Bilder und Beiträge von missbrauchten oder hilfsbedürftigen Haustieren teilen, darunter unzählige Kommentare, bez. der Kreatur Mensch, die zu so etwas fähig ist. Beiträge zu Nutztieren dieser Art gibt es nur auf veganen Seiten. Ist das nicht völlig irre? Wenn ich mal so einen Beitrag teile, gibt es keinen einzigen Kommentar...


Warum vegan?


 Ich bin eine naive Spinnerin, die glaubt, dass das der Weg ist, den die Menschheit gehen wird. Ohne dabei über die Fleischesser zu urteilen. Obwohl mir das bei Beiträgen wie diesem sehr schwer fällt. (Bei den Kosten verhält es sich genau umgekehrt!!!) Die jagenden Tiere sind für mich genauso wertvoll wie die Beutetiere, vielleicht gibt es unter den Menschen auch eine solche Aufteilung?? Unser Opa hat noch genüßlich Schweinefüße gelutscht, mein Papa liebt gekochte Därme, doch ist diese Generation nicht am Aussterben? Meine Kinder ekeln sich beim Anblick vom rohen Fleisch, so dass ich geneigt bin zu glauben, dass die Evolution des Bewusstseins uns weg vom Fleisch führt. Wahrscheinlich, leider erstmal über vegane "Mißernährung" mit zu wenig Eiweiß und komplexen Kohlenhydraten...

Darum also vegan. Muss und soll jeder für sich entscheiden. Es gibt so viel Info in den Weiten des Internets, dass ich hier und jetzt nicht auf das "wie" eingehen werde. Ich habe nach Jahren meine Ernährung gefunden, die ist pflanzlich, vollwertig und fettarm. Jetzt muss ich nur noch die Esssucht in den Griff bekommen, aber auch da bin ich auf dem richtigen Weg. :-D

Alles Liebe
Helena


Kommentare:

  1. Liebe Helena,

    in der Tat gibt es nicht wenige dogmatische Veganer mit quasi religiösem Sendungsbewußtsein. Das führt zu einer Weltsicht, in welcher es nur die Guten und die Bösen gibt und nichts dazwischen. Nun ist unsere Welt jedoch äußerst vielfältig und komplex. Ich möchte Dir das Buch "Ethisch Essen mit Fleisch" von Lierre Keith empfehlen, welche sich ab ihrem 16 Lebensjahr 20 Jahre lang streng vegan ernährt hatte, dadurch krank und hinfällig wurde. Erst nachdem sie ihre Ernährung auf eine Mischkost aus unverarbeiteten pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln umstellte, fand sie ihre Vitalität und Gesundheit wieder. Doch nicht deswegen empfehle ich Dir dieses Buch, da es ja bekannt ist, dass es nach einigen Jahren einer rein veganen Ernährung sehr oft zu gravierenden Mangelerscheinungen kommt. Nein, das besondere an diesem Buch ist, dass die Autorin durch ein intensives Studium der Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren erkannte, dass sie lange Zeit ihres Lebens einem Mythos verfallen war.

    AntwortenLöschen
  2. Lieber Frank,

    dieses Buch wird mir seit zwei Jahren empfohlen ;-),und zwar von meinem Bruder, der den Veganismus auch für ein Mythos hält.

    Hm. Weißt Du Frank, man kann lange hin und her diskutieren und es gibt zu fast jedem Aspekt Argumente für und wider. Und ich bin´s leid, rationelle Entscheidungen treffen zu müssen. Im Moment fühlt es sich für mich einfach stimmig an, kein Fleisch zu essen und ich kann diese intuitive Entscheideung nicht einfach übergehen, nur weil mir jemand davon abrät. Mäglicherweise werde ich auch in 20 Jahren, wie die Autorin, den veganen Mythos hinter mir lassen, möglicherweise bin ich morgen aber auch schon tot. :-) Ich sehe es inzwischen wirklich nicht mehr so ernst, es ist ein Prozess, ich werde sehen, wo er mich hin führt und welche Erkenntnisse er mir bringen wird. Früher habe ich gedacht, dass ich mich 100% nach einer Ernährungsweise ernähren muss. So ein Quatsch! Wer sagt das?? Wenn mir mein Körper eindeutig signalisiert, dass er Fleisch braucht, werde ich Fleisch essen. Ich habe den naiven Gedanken über eine heile Welt ohne Töten längst verworfen. Aber tierische Produkte aus der Massentierhaltung gehen mir einfach zu weit. Und bio für die ganze Familie? Hm... Schwierig. Dafür ist die Liebe zum Fleisch einfach nicht groß genug. ;-) Also vegan ja, aber auch mit den normalen lebensbedingten Ausnahmen, möglicherweise reichen die schon aus, um mich vor dem gesundheitlichem Verfall zu retten... Aber ehrlich gesagt, schlimmer als es momentan ist, kann es gar nicht werden... ;-) LG

    AntwortenLöschen
  3. Hier nochmal ein Artikel bez. des Bio-Fleisches:

    "Wie komplex die Sache ist, wird vor allem bei der Fleischproduktion deutlich – auch im Bio-Bereich. Denn natürlich ist Bio-Fleisch besser für das gute Gewissen. Die Tiere haben mehr Platz und Auslauf, werden mit (gentechnikfreiem) Bio-Futter gefüttert und haben auch mehr Zeit zum Wachsen, sprich Leben. Gegen Ende dieses Lebens ist es aber aus mit der Besserstellung der Bio-Tiere.

    „Die Bio-Verordnung endet, sobald das Tier die Stalltür verlässt“, sagt dazu Nicholas Fürschuss von Bio Austria. Denn bei Transport und Schlachtungen gelten dieselben Bestimmungen wie im konventionellen Bereich. Masttiere aus Bio-Betrieben werden in der Regel gemeinsam mit Tieren aus konventioneller Haltung in einem Schlachthof geschlachtet. Wie „gut“ der arbeitet, kann der Konsument in den seltesten Fällen nachvollziehen. Es gibt zwar Bio-Betriebe, die auch selbst schlachten, aber auch sie sind Ausnahmen. „Es ist ein wunder Punkt für uns, dass es hier keine gesonderten Regeln für den Bio-Bereich gibt“, sagt Fürschuss. Dabei geht es nicht nur um ethische Aspekte. Die ganze Arbeit, die man in die schonende Aufzucht und Haltung eines Tieres gesteckt hat, kann durch den Stress, den das Tier im Schlachthof erlebt, weil es mit anderen, ihm fremden Tieren durch enge Gänge getrieben und in einer Gondel mit CO2 betäubt wird, dahin sein. Dieser Stress macht sich mittels Stresshormonen in der Qualität und Haltbarkeit des Fleisches bemerkbar. In Extremfällen kann es gar sein, dass ein Bio-Tier, das den Großteil seines Lebens auf der Weide verbracht hat und weniger Kontakt zu Menschen hatte, die Situation als noch stressiger empfindet als ein Tier aus konventioneller Haltung, das etwa Transport und Enge gewohnt ist."

    Quelle: http://diepresse.com/home/leben/ausgehen/4886186/Das-grosse-Fressen-und-das-schlechte-Gewissen-dabei?_vl_backlink=%2Fhome%2Findex.do

    AntwortenLöschen