Samstag, 16. August 2014

"Bekenntnisse einer Ehefrau" zwölfte Strophe: Spieglein, Spieglein...

Vorletzte Strophe meines Gedichtes... Es geht darum, dass uns die Qualität unserer Beziehungen immer uns selbst spiegelt. Wir haben tatsächlich die Wahl, unsere Schattenseiten zu erkennen und sie zu transformieren oder sie mit ins Grab zu nehmen.

zwölfte Strophe:

So sind wir zwei ein Spiegel füreinander,
das was wir sehen, ist kein Unbekannter,
doch ist es etwas, was wir nicht wahrnehmen wollen,
und was die anderen nicht sehen sollen.
Schatten und Gram,
Schuld und Scham
sind unsere ewigen Begleiter,
unsere Verdammnis oder unser Wegbereiter,
unsere große Chance zu wachsen.

Ja...wir können außerhalb unserer Beziehung so viel schauspielern wie wir wollen, in der Partnerschaft wird uns immer ein Spiegel vor die Nase gehalten. 

Meistens werden wir unsanft auf unsere "Fehler" und Schattenseiten hingewiesen, gnadenlos kann uns der Partner mit seinen Bemerkungen treffen und je wahrer seine demaskierenden Behauptungen sind, desto lauter und vehementer werden wir uns wehren.

Warum gefällt uns das nicht, was wir in dem uns vorgehaltenem Spiegel sehen?

Müßten wir nicht dankbar dafür sein, einen so tollen Lehrer in unserem Partner bekommen zu haben?
Einen, der uns ohne Rücksicht auf Verluste immer die Wahrheit sagt. Das kann man schließlich nicht mal von der besten Freundin erwarten. Aus Angst, unsere Freundschaft zu gefährden, wird sie uns selten die ganze Wahrheit über uns erzählen. Doch unser Partner tut es. Manchmal scheint es ihm besonderen Spaß zu bereiten, uns zu verletzen, uns verbal bis auf die Haut auszuziehen...

Doch wer wird da eigentlich verletzt und wer wehrt sich gegen die vermeintlichen Angriffe?

Wer ist denn dieses Ich, dass sein wahres Gesicht nicht sehen möchte? Es ist wieder mal der Anteil, der um seine Existenz fürchten muss, sollten wir ihn erkennen. Unser Ego.

Unser Ego lebt von Trennung. Je mehr trennende Eigenschaften unsere Beziehung aufweist, desto größer und stärker fühlt es sich. Denn in einer Einheit, in dem "wir sind eins" Gefühl gibt es keine Individualität, kein Ego. Dort überwiegen die verbindenden Eigenschaften. Der Wunsch, eigenständig zu sein, für sich zu existieren, kommt immer vom Ego. In dem Moment, wo uns jemand den Spiegel vor die Nase hält und uns eine unangenehme Wahrheit zeigt, haben wir die Chance, eine trennende Eigenschaft zu erkennen, also eine Eigenschaft, die von unserem Ego kommt. Erkennen wir sie, also stimmen wir unserem Gegenüber zu, so entziehen wir dem Ego Energie. Das möchte es aber unbedingt vermeiden, da es dadurch an Macht  verliert und schickt uns auf die Barrikaden. Wir kontern, schiessen Pfeile ab, und natürlich sehen wir nicht ein, dass der Spiegel immer die Wahrheit sagt.

Dabei geht es gar nicht so sehr darum, ob die Anschuldigungen unseres Partners richtig sind oder nicht, ob sie der Wahrheit entsprechen. Oder anders gesagt: Je verletzter wir uns fühlen, je mehr wir aufgrund der Aussage leiden, desto näher sind wir an der Wahrheit dran.

Den Spiegel zu bejahen, ihn als unseren Wegweiser zu betrachten, kann uns auf dem Weg des Bewusstwerdens ein großes Stück weiter bringen. Es ist natürlich alles andere als einfach. Unser Ego gibt nie auf, es wird uns bei jedem Angriff zum Gegenangriff anspornen. Um sich selbst am Leben zu erhalten.

Was passiert denn, wenn wir, ungeachtet dessen ob die Aussage stimmt oder nicht, einfach nur zustimmen?

Ein Beispiel: du reisst dir für eine Sache buchstäblich den Allerwärtesten auf und dein Patner sagt dir, du wärst total egoistisch... das tut weh! "Eine UNGERECHTIGKEIT! Wie kann er nur! Das stimmt doch ganz und gar nicht!" Merkst du, wie das Ego sich aufbauscht? 

Scheinbar gibt es irgendetwas in deinem Verhalten, was den Partner dazu bringt, dies zu behaupten. Und was passiert, wenn wir diese Aussage annehmen? Also nicht nur wegen dem Hausfrieden ja sagen, sondern im Inneren zustimmen?

 Der Weg des Zustimmens kann Wunder bewirken! Achte jedoch darauf, dass kein Widerstand mehr vorhanden ist. Und wenn doch, dann schau ihn Dir von der Seite an, er kommt immer nur vom Ego! Wenn kein Widerstand mehr spürbar ist, wird die Trennung, die vom Ego ausgeht, aufgehoben und somit das Ego geschwächt. Wenn du wahrhaftig annimmst, verspürst du unmittelbar danach eine Befreiung, der Raum in dir wird weiter und schafft Platz für die verbindende universelle Kraft der Liebe.

 der Anfang

letzte Strophe

Alles Liebe,

Helena

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