Dienstag, 12. August 2014

"Bekenntnisse einer Ehefrau", elfte Strophe: Die Maskerade ist vorbei...

Nur noch drei Strophen... Heute geht es um das Thema Authentizität, sein wahres Gesicht zeigen, Annehmen von Schwächen... Ein Thema, das nicht nur in einer Ehe von größter Bedeutung ist, sondern in jeder zwischenmenschlichen Beziehung.
Ich habe Schwierigkeiten, dieses Bild anzunehmen. Die Frau sieht nicht perfekt aus. Aber für mich sieht sie authentisch aus. Meinem inneren Druck, sie perfekter zu malen, musste ich regelrecht widerstehen.

Elfte Strophe:

Es möchte nicht mehr spielen,
sich verstecken, sich verirren,
es möchte Schwäche zeigen und weinen,
ohne dabei an Stärke zu verlieren und deinen
und meinen Geist an seine Grenzen bringen
und in den ganz schlimmen Dingen,
die wir ständig benennen
sollen wir uns selbst erkennen
und so DAS bewusst annehmen,
was wir im anderen Menschen so sehr ablehnen.






Ich lege alles ab, was mein wahres Ich verbirgt...

Ich zeige mich so, wie ich bin, mit allen meinen Schwächen, Macken, Egomanien... Ich sehe sie, ich beobachte mich selbst, ohne zu urteilen. Meine Gedanken, mein Umfeld, meine Erfahrungen haben dazu beigetragen, wie ich heute bin. Ich identifiziere mich mit ihnen. Sie bilden das Ich. Sie geben meinem Ego eine Substanz. Ich kann sagen, dass ich bestimmte Sachen mag und andere wiederum nicht. Dass ich bestimmte Sachen sehr gut kann und andere nicht. Dieser besondere Coctail macht mich einzigartig, diese Mischung gibt es nur einmal auf der Welt. Ich bin Jemand.

 IST DAS SO?

Jetzt lege ich mein Kostüm und meine Maske ab, zumindest für einen kurzen Moment gebe ich meine Rolle, die ich in diesem Leben angenommen habe, ab. Für eine Sekunde bin ich ein Niemand. Ich habe keine Wünsche, keine Vergangenheit und keine Zukunft. Ich muss mich nicht behaupten, nichts wissen, nichts können.

Ich bin NICHTS UND ALLES. Ich spüre, dass ich frei bin. Eine Last fällt von mir ab, ich werde weit. ich nehme die Begrenzung des Ego wahr, die jetzt plötzlich nicht mehr da ist.

 Nur wenn ich erkenne, dass das, was ich für mein Ich halte, nur das sterbliche Ego ist, bekomme ich eine Ahnung davon, wie unwichtig all der Streit, die Auseinandersetzungen, die Rechthabereien sind. Ihre Bedeutung vergeht spätestens in dem Augenblick, in dem ich von dieser Welt gehe.

Ich habe die Wahl: werde ich mein Leben lang kämpfen, oder löse ich mich von meinem Ego und tauche in eine Weite ein, die mit dieser materiellen Welt nichts gemein hat?

Die Dinge, die wir unserem Partner oder auch anderen Menschen vorwerfen, sollen uns zeigen, was wir in Wirklichkeit in uns selbst nicht annehmen können. Es ist manchmal schwer zu erkennen und erfordert auch große Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Das Ego wird sich immer dazwischen stellen, sich aufbauschen und uns mitteilen, dass das Verhalten des Anderen  moralisch nicht akzeptabel ist oder sonstwie unverzeihlich ist. Es geht aber gar nicht darum, zu sagen, dass es das nicht ist.

Es geht um das Annehmen. Um das Akzeptieren, ohne zu urteilen, ohne zu kämpfen. Ich sehe das, was du tust, und ich bilde mir kein Urteil darüber. Ich sage nicht, dass du mich verletzt hast und erwarte keine Entschuldigung. Wenn der Gedanke des Verletztseins auftaucht, weiß ich, dass er vom Ego kommt. Ich mache mich weit, unglaublich weit. Es kribbelt, die Energie, die dabei frei wird, durchströmt meinen Körper. Wenn ich den Gedanken dagegen zulasse, spüre ich, wie sich etwas in meinem Brustkorb zuzieht. Ich richte die Energie gegen mich selbst, denn in Wirklichkeit kann ich diesen Anteil, den du durch dein Tun offenbarst, in mir nicht akzeptieren.

Was bedeutet das konkret?

Angenommen (nur ein Beispiel), mein Partner hat mich betrogen. In erster Linie fühle ich mich bei diesem Gedanken weniger wert. In unserer Gesellschaft ist nur die Monogamie  akzeptiert, deswegen ist Fremdgehen moralisch nicht ok. Das Ausleben der Sexualität ist mit Sünde assozieirt, mit Fleischlust, also definitiv negativ besetzt. Das habe ich verinnerlicht (In anderen Kulturen ist Fremdgehen oder Polygamie akzeptiert.). Ich kann so etwas "Schmutziges" (Indoktrination) nicht annehmen, es erzeugt Schuldgefühle in mir, weil ich als eine Person, die fremdgeht, gegen die Regeln verstosse. Diese Schuld spalte ich ab und projiziere sie nach außen. Mein Partner ist derjenige, der sich falsch verhalten hat. Die Schuld, die ich bei dem Gedanken empfinde, verlagert sich auf ein Objekt, meinen Partner.

Und dann gibt es noch den besonders schmerzhaften Aspekt, bei dem unser Ego zur Bestform aufläuft: Ich war ihm also nicht gut genug, ich habe etwas falsch gemacht, ich fühle mich nicht geliebt. Ich leide durch diese Gedanken, die mir das Ego schickt, weil es sich durch das Leiden stärker fühlt. Das ist seine Nahrung. Der Gedanke, nicht gut genug zu sein, ist eigentlich nicht schlimm, oder? Man kann ihn auch neutral betrachten. Jemand ist besser als ich. Kann man täglich 1000 mal sagen und es wird auch stimmen, wenn wir es auf andere Themen beziehen. Paul kann besser schwimmen als ich, Anja singt besser als ich. Es macht mir nur ein bisschen was aus. Es versetzt mir einen kleinen Stich, aber mehr auch nicht. Es sei denn es ist mein Thema. Weil der Papa eine Schwimmerin aus mir machen wollte, oder meine Mutter eine Sängerin war. Aber beim Thema Liebe ist es schon ein bisschen anders. Dieses Thema geht so gut wie jeden an. Wir dursten alle so nach Liebe, dass wir das Gefühl, nicht geliebt zu werden nicht zulassen können. Es schmerzt zu sehr. Wir spalten es von uns ab und projizieren es auf unseren Partner. "Er hat mich betrogen, dieses Schwein, ich kann es ihm nicht verzeihen." "Er ist es nicht wert, geliebt zu werden." "Er hat einen Fehler gemacht" ER, nicht ICH.

der Anfang

zwölfte Strophe


Liebe Grüße,

Helena











Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen