Dienstag, 22. Juli 2014

"Bekenntnisse einer Ehefrau", fünfte Strophe: Auseinandergelebt

Wir sind bei der fünften Strophe meines Gedichtes "Bekenntnisse einer Ehefrau" angekommen. Das Thema heute ist, glaube ich in langjährigen Beziehungen allgegenwärtig: kaum noch gemeinsam verbrachte Zeit, die das Zusammensein erst lohnenswert macht. (Ist das so?) "Wozu bin ich denn noch mit dir zusammen? Wir machen eh nichts mehr gemeinsam, wir haben uns 
auseinandergelebt..." 


Fünfte Strophe:
So...nun stehen wir da in unserer Ehe,
du dort, ich hier, und wie ich es sehe,
hat eine Ehe für mich kaum noch Sinn,
ich denke gar nicht an einen Gewinn
für einen von den Eheleuten,
denn sollte die Ehe nicht bedeuten,
dass man gemeinsam
und unaufhaltsam
der Liebe wegen sich ewig liebt?




 alte Version

 

Kann man sich überhaupt auseinanderleben? Oder ist ein gemeinsames Erleben wirklich ein Garant dafür, dass man eine glückliche Beziehung aufrecht erhält? 



Meiner Meinung nach ist das Auseinanderleben nur eine Folge. Nicht wie so oft dargestellt, eine Ursache für eine missglückte Beziehung. Denn es kann nur dazu kommen, wenn mindestens ein Partner der Zweisamkeit in dieser Beziehung keinen bedeutenden Wert beimisst. Und das wird er nur dann tun, wenn ihm alles Andere wichtiger erscheint als der Partner selbst. Und das wiederum ist nur möglich, wenn keine echten Gefühle da sind. 

Sind denn echte Gefühle nach einer jahrelangen Beziehung noch möglich? Oder kann man davon ausgehen, dass alles nur noch aus Gewohnheit geschieht oder eben nicht geschieht? Was nützt es, wenn man sich um eine Beziehung zu retten, vornimmt, ab jetzt mehr Zeit miteinander zu verbringen, wenn keine Gefühle da sind?


 Je mehr ungelöste Konflikte eine Beziehung belasten, desto schneller kommt es in alltäglichen Situationen zu Auseinandersetzungen. Die unterschwellige Schuldzuweisung und Projektion macht es irgendwann unmöglich, dem Partner unvoreingenommen entgegenzutreten. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt und so interpretiert, dass es in das eigene Konstrukt aus Schuld und Schmerz rein passt. Es ist nicht verwunderlich, dass man irgendwann getrennte Wege geht, sich buchstäblich aus dem Weg geht. Wenn man sich dann nichts mehr zu sagen hat, weil neben dem verbindenden Gefühl auch noch die verbindenden Interessen abhanden gekommen sind, nennt man den Zustand "sich auseinandergelebt zu haben".

 Ist also die Suche nach Konfliktlösungen der Weg aus der Krise? Kann eventuell ein Dritter zu Annäherung beitragen, indem er uns den Standpunkt unseres Partners vermittelt? Ändert dies etwas an der Schuldzuweisung, fühlt man sich dadurch vom Partner verstanden, so dass die Gefühle wiederkommen können? Oder möchte man sich nur bestätigt fühlen? In seinen Empfindungen, in seinem Schmerz?

Andererseits ist es durchaus möglich, eine liebevolle Wochenendbeziehung zu leben. Denn wenn beide Partner wirklich den Wunsch verspüren, miteinander Zeit zu verbringen und einander nah zu sein, wird eine räumliche Trennung dies nicht verhindern können. Es sei denn, einer der Partner ist nicht in der Lage allein zu sein, und "benutzt" die Partnerschaft, um sich selbst nicht spüren zu müssen. Wenn das Aleinsein zur Einsamkeit wird und nicht ertragen werden kann, weil die Sehnsucht nach Liebe zu groß ist, wird die Erfüllung im Außen gesucht, in einem Partner, der diese auch stillen soll. Möglichst jeden Tag. Und nicht nur am Wochenende. Wenn dann ein neuer Partner vor der Tür steht, heißt es oft: "Es ging nicht mehr, wir haben uns auseinandergelebt."

Wie kann man diesen Zustand verhindern? Oder eine Beziehung wieder herstellen, wenn dieser schon eingetreten ist? 


Ich denke, es kommt drauf an, ob beide Partner bereit sind, an der Beziehung zu arbeiten. Grundsätzlich ist es jederzeit möglich, wieder zueinander zu finden. Aber, solange das Ego auf sein Recht besteht, werden wir nicht in der Lage sein, dem Anderen wirklich zu begegnen. Deswegen gibt es nur einen Weg: über das Erkennen des Ego. Wenn beide Partner bereit sind, für den anderen da zu sein, kann die Ehe ein großer Gewinn sein. Dann kann man durchaus den ganzen Tag getrennte Wege gehen, und sich am Abend in Harmonie und Liebe begegnen. Es geht nicht darum, wieviel Zeit ich mit meinem Partner verbringe sondern darum, ob ich bereit bin zu geben, ohne dafür etwas zurückzuverlangen. 



Alles Liebe

Helena


1 Kommentar:

  1. Ta para stoi zadumana , sceneria romantyczna , treść bardzo życiowa , rysunek świetny , brawo , nasze gratulacje Mama i Tata , całuski ...

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